Gleitschirm Rucksack – Richtig packen und Anziehen

Gleitschirm Flugschule Allgäu

Ganz oft sieht man Piloten die ihren Gleitschirm Packsack lieblos oder falsch schultern und tragen. Dies führt oft zu Kreuzschmerzen und Verspannungen. Zugegeben die alten Packsäcke sind nicht immer komfortabel und auch nicht so gut wie heutigen aber oft ist es auch Einstellungssache. Mittlerweile nähern sich unsere Packsäcke richtigen Outdoor Rucksäcken an und bieten wirklich einen guten Tragekomfort wenn Du sie richtig einstellst.

 

Wichtig: Bevor Du den Rucksack aufziehst, lockere zuerst alle Gurte. Schließe nach dem Aufziehen dann zuerst den Hüftgurt den die Hüfte soll einen Großteil der Last tragen, nicht die Schultern (diese ermüden viel schneller). Danach ziehst Du die Schultergurte fest und schließt ggf. noch den Brustgurt. Hier ist wichtig das der Schulterträgeransatz halbwegs zwischen euren Schulterblättern liegt sonst passt die Länge des Rückenteils des Rucksacks nicht richtig. Die Lageverstellriemen ziehe ich bei meinen Rucksäcken fast immer ganz zu damit der Packsack näher am Körper anliegt und nicht verrutscht. Dies kann aber varriert werden.


Bei den Packsäcken gibt es z.B. superleichte 80 Liter Leichtrucksäcke (wie z.B. dem Ozone X-Alps usw.) die extrem gut zu tragen sind, aber in die wirklich nur eine sehr minimalistische Ausrüstung hinein passt (z.B. Ozium2 Gurtzeug mit Alpina/Swift/Geo/Echo usw., aber auch hier wirds schon recht eng und der Helm muss oft außen angebracht werden). Etwas größer ist hier schon der BGD Sherpa und der Advance Lightpack mit ca. 90-100 Litern. Hier passt schon ein Leichtschirm plus Standard Sitzgurtzeug hinein wenn man gut packt. Die normalen Standard Rucksäcke haben mittlerweile zwischen 100 und 140+ Liter Packvolumen. Hier passt dann eine normale Ausrüstung mit Helm gut hinein und diese Rucksäcke bieten immer noch einen recht hohen Tragekomfort, sind aber etwas robuster und damit auch schwerer (Ozone Standard Rucksack Light 130Liter|Advance Comfort Bag 130L|BGD Packsack M oder L).


Ideal finde ich, wenn Packsäcke zusätzliche Kompressionsgurte haben um das Packvolumen zu verkleinern. Hilfreich finde ich hier auch gut gepolsterte Schulter- und Hüftgurte und eine gute Rückenbelüftung gerade wenn man hin und wieder auf den Berg läuft. Mein Favorit bei den Standard Rucksäcken ist hier der Advance Comfortbag. Er hat für einen Standard Rucksack die für mich ideale Form und maximalen Tragekomfort. Dies hängt aber natürlich auch immer von der Anatomie des Trägers ab. Bei den Leichtrucksäcken gefällt mir der Advance Lightpack und der BGD Sherpa am Besten.

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Liegegurtzeug und was Du darüber wissen solltest

Es wird viel geredet über Liegegurtzeuge. Sie liegen im Trend und halten auch im Hobbysegment Einzug. Es macht halt einfach Eindruck wenn einer mit einem Liegegurtzeug am Startplatz erscheint. Man geht automatisch davon aus: “Der kann schon gut fliegen sonst hätte er nicht so ein Gurtzeug”. Das stimmt natürlich nicht immer. Du kannst Dir auch einen Ferrari kaufen und hast keinen blassen Schimmer wie man das Ding richtig ausfährt 😉 Die heutigen “Liegegurtzeuge” sind eigentlich gar keine richtigen Liegegurtzeuge mehr, sondern oft mehr Sitzgurtzeuge mit Beinsack (ich nenne sie im nachfolgenden aber der Einfachheit halber “Liegegurtzeuge”). Dennoch machen sie fliegerisch einen enormen Unterschied zum Allround Sitzgurtzeug. Ich habe einige Zeit gebraucht um mich mit dieser Art von Gurtzeug richtig wohl zu fühlen. Der Ein- und Ausstieg aus dem Beinsack gestaltet sich, je nach Modell mehr oder weniger schwierig. Bewährt haben sich mittlerweile Gummizüge die am Schuh befestigt werden und mit denen man sich den Beinsack nach vorne holen kann. Dies erleichtert den Einstieg enorm. Oft sieht man Piloten die nur mit Hängen und Würgen in ihre Beinsäcke kommen, dabei die Bremsen loslassen müssen und häufig ihre Flugbahn vergessen… blöd… und gefährlich.

 

Einen großen Vorteil haben die “Liegegurtzeuge” aber. Wenn man erstmal drinn sitzt fühlen sie sich saugut an und sie sind bequem… zumindest in ruhiger Luft. Man fühlt sich wie ein “Checker” und hat alles im Griff. Das Cockpit schön aufgeräumt mit Vario, Handy usw. und die Füße schön warm. Vorausgesetzt man hat einen dicken Beinsack, den die Lycra Pods (als Pods werden die Beinsäcke bezeichnet) werden auf 4000m schon verdammt dünn, da musst Du immer noch eine dicke Hose drunter anziehen auch im Sommer. Auch das Beschleunigen geht deutlich schöner und effizienter im Beinsack.

 

Leistungsvorsprung: Viel diskutiert und nie wirklich gut belegt. Ich kann aus meiner Zeit bei den Herstellern berichten das wir mal ein Gurtzeug bei Airwave gebaut haben. Das hieß Ram Race. Es sah wirklich lustig aus. War eigentlich ein Sitzgurtzeug mit einem enormen Heckbürzel. Bruce Goldsmith hatte damals viele Versuche im Windkanal gemacht und wie ja mittlerweile aus der Aerodynamik bekannt ist, ist es eigentlich wichtiger wie die Strömung hinter dem Körper anliegt und nicht allein wie die Stirnfläche aussieht. Je länger die Luftströmung am Körper anliegen kann, desto kleiner ist der Druckwiderstand der den Formwiderstand mit ausmacht. Der Beinsack vorne reduziert die Stirnfläche im Vergleich zum Sitzgurtzeug, macht aber sehr wahrscheinlich leistungsmäßig nicht extrem viel aus. Ich denke das das Heckbürzel viel wichtiger ist, wie man auch bei den neuesten Wettkampfgurtzeugen sehen kann (Ozone Exoceat, Woody Valley X-Rated7 und auch GTO Light usw.. Bruce stellte damals beim aktuellen Hochleister MagicFR einen Leistungszuwachs von 0,5 GZ fest beim Ram Race im Vergleich zu einem normalen Sitzgurtzeug ohne Bürzel). Liegegurtzeuge verwinden sich oft in der Thermik was die Angriffsfläche vergrößert. Dies kann ebenfalls zu Leistungsverlusten führen. Wenn sich außerdem der Widerstand von Gurtzeug und Pilot verringert im Geradeausflug, vergrößert sich automatisch der Anstellwinkel des Schirmes, was ausgeglichen werden muss. Deswegen halte ich es für wirklich schwierig zu sagen, ob Liegegurtzeuge im unbeschleunigten Flug einen markanten Leistungsvorsprung zum Sitzgurtzeug haben, v.a. in dem Geschwindigkeitsbereich wo wir uns bewegen (32-36km/h). Im beschleunigten Flug der ja immer mehr in Mode kommt, gerade bei den Hochleistern fällt der Leistungsvorsprung wahrscheinlich etwas mehr ins Gewicht. Außerdem sind viele Liegegurtzeuge vom Piloten falsch eingestellt und der ganze Leistungsvorsprung ist allein deswegen schon dahin.

 

Sicherheit: Eines ist ganz sicher. Liegegurtzeuge sind deutlich anspruchsvoller im Extremflugverhalten. Wer es nicht glaubt, soll es selbst bei einem Sicherheitstraining ausprobieren. Der größere Hebel sorgt für mehr Action und Twists (Eindrehen in den Leinen). Deswegen ziehen gute Piloten die Beine an, bevor der Klapper großflächig kommt. Nur so kannst Du größere Twists vermeiden. Ich habe selber schon einige gute Piloten in der freien Wildbahn gesehen, die einen großen Klapper kassiert haben, sofort getwistet wurden und den Retter werfen mussten. Dies wäre mit einem Sitzgurtzeug in aufrechter Haltung nicht so schnell passiert oder wenn sie die Beine schneller angezogen hätten. In vielen Fällen bleiben die Piloten in der gestreckten Position bis zum Aufschlag oder bis der Retter aufgeht.

 

Fazit: Liegegurtzeuge sind im Trend. Sie schauen schick aus, machen warme Füße, haben ein aufgeräumtes Cockpit, vermitteln subjektiv mehr Sicherheit und haben vielleicht auch noch einen kleinen Leistungsvorsprung wenn sie richtig eingestellt sind. Nachteile ergeben sich beim Extremflug, Ein- und Ausstieg in den Pod und dem oft erhöhten Packvolumen. Ich persönlich fliege mittlerweile beides, sowohl Sitzgurtzeuge, als auch Liegegurtzeuge sehr gern, habe mich aber auch erst umstellen müssen. Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung das ein Sitzgurtzeug sicherer ist und auch mit diesem kannst Du große Streckenflüge machen (früher sind fast alle Piloten weite Strecken mit Sitzgurten geflogen). Wenn Du das erste Mal ein Liegegurtzeug fliegst, lass es Dir von einem Fachmann richtig einstellen und zeigen und übe den Ein- und Ausstieg aus dem Pod. Such Dir ein Liegegurtzeug das nicht zu tief (Anm. niedrige Aufhängehöhe) aufgehängt ist. Diese sind am Anfang deutlich schwieriger zu fliegen wie Gurtzeuge die hoch aufgehängt und damit stabiler sind.

Viel Spaß beim Fliegen

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Vorwärtsstart oder Rückwärtsstart?

Es gibt beim Gleitschirmfliegen im Prinzip zwei Aufziehtechniken:
a) den Vorwärtsstart wo der Pilot in Start/Flugrichtung schaut und sein Schirm hinter ihm liegt und
b) den Rückwärtsstart oder Rückwärtsaufziehstart wo der Pilot anfangs zum Gleitschirm schaut und sich dann erst in Flugrichtung ausdreht für den Start.

 

Der klassische Verlauf in der Fliegerkarriere eines Hobbypiloten ist: Der Pilot lernt in seiner Flugschule anfangs recht solide Vorwärtsstarten. Nach dem A-Schein geht er dann in die einfachen Mainstream Fluggebiete in seiner Nähe und merkt schnell das außer ihm fast keiner Vorwärts startet (weil es fast keiner mehr kann 😉 ) und fühlt sich ziemlich uncool. Dann lernt er irgendwann bei einer Flugreise oder Fortbildung rückwärts aufziehen und startet von da an eigentlich nur noch rückwärts und stolpert selbst bei Nullwind rückwärts den Hang hinunter, obwohl ein Vorwärtsstart hier deutlich sicherer wäre. Nur wenige Piloten schaffen den Absprung und nehmen die Starttechnik die dem Wind und Gelände angemessen sind. Das sollte das Ziel sein: Beide Starttechniken sicher zu beherrschen.

 

Aussagen wie: “Hier kannst Du nur Rückwärts starten” oder “Hier geht nur vorwärts” sind nicht richtig. Prinzipiell kannst Du bei fast allen Bedingungen immer vorwärts oder rückwärts starten. Die Frage ist nur ob es sinnvoll ist. Ich kenne alte Piloten die starten sogar bei fast 30km/h Wind vorwärts. Auch das geht, man muss nur verdammt schnell rückwärts laufen können 😉


Welche Starttechnik die richtige ist, hängt stark vom Gefälle und Größe des Startplatzes, Windstärke, Windrichtung und Böigkeit und weiteren Faktoren ab und natürlich vom Könnensstand des Piloten. Ein großer “Fehler” den viele Piloten meiner Meinung nach machen ist: Das vorher erlernte Groundhandling mit dem Start am Berg zu verwechseln. Klar kannst Du beim Groundhandling im flachen Gelände mal die Bremsen loslassen. Am Berg im steilen Gelände zum Starten gehören die Bremsen aber in die Hände. Den Schirm bei perfekt laminarem Wind im flachen Gelände eine halbe Stunde im Zenit stehen lassen und sich dann gemütlich ausdrehen? Klar geht das! Am Berg bei starken thermischen Ablösungen und steilem Startplatz fliegst Du so aber garantiert Rückwärts getwistet raus. Ich empfehle mittlerweile im steilen Startplatz, bei anspruchsvollen thermischen und böigen Bedingungen lieber schon bei 70 Grad auszudrehen und während des Ausdrehens auf die Bremse zu gehen. Das ist ziemlich “Oldschool” aber hat sich bewährt. Es hat sich gezeigt das die Piloten, gerade mit wenig Flugerfahrung und Groundhandling so deutlich weniger vertwistet “gestartet” werden. Verdreht in den Luftraum zu fliegen mit überkreuzten Bremsen ist für den ungeübten Piloten fatal und endet schnell im Unfall. Ganz wichtig bei starkem Wind ist das Entgegen gehen zum Schirm. SEI NICHT DER ANKER!

 

Zusammenfassung:

 

1.) Wähle je nach Bedingungen und Deinem Könnensstand die für Dich richtige Starttechnik

 

2.) Bei Nullwind macht ein Vorwärtsstart mehr Sinn. Profis können mit verdrehtem Oberkörper auch vorwärts laufen und dabei Rückwärts aufziehen aber dennoch ist während der Phase des Ausdrehens immer ein kurzer kritischer Moment wo der Schirm hängen bleibt, “schwammig wird” bzw. nicht genug Führung bekommt.

 

3.) Bei stärkerem Wind macht ein Rückwärts(aufzieh) Start mehr Sinn. Man kann dem Schirm besser entgegen laufen und sieht Knoten und ein Ausbrechen der Kappe bereits im Ansatz. Mein Tipp: Dreh Dich lieber früher aus, den Gleitschirm über sich zu stabilisieren wie beim Grounhandling im Flachen ist gerade im steilen Startgelände und thermischen Ablösungen extrem schwierig für den ungeübten Piloten und führt schnell zum “twisted take off”.

 

4.) Egal ob Du Dich beim Rückwärtsstart früh oder spät ausdrehst, mach es ohne zögern und zackig schnell.

 

5.) Trainiere am Besten beide Starttechniken im Laufe Deiner Fliegerkarriere und lass Dich von Fluglehrern oder Deinem Fliegerbuddy filmen und analysiere Deinen Start (eine professionelle Videoanalyse ist natürlich besser wie wenn der einäugige Fliegerkumpel dem blinden Piloten etwas erklärt, aber besser als den Start gar nicht analysiert 😉 ) War es ein wirklich guter Start oder bist Du nur irgendwie in die Luft gekommen? Videoanalyse ist DAS Instrument um Deine Flugtechnik zu verbessern. Ich verstehe nicht das es immer noch Flugschulen gibt die dieses Instrument nicht einsetzen.

 

6.) Bei schwierigen Bedingungen nimm die Starttechnik die Du 100% sicher beherrscht.

 

P.S. Jeder darf mal einen schlechten Start machen, nur weh tun sollte er nicht 😉 Ganz wichtig ist dabei auch immer laut FRREEESTYYYLER zu rufen dann denken die Zuschauer vielleicht das der Pilot so starten wollte und doch ein cooler Hund ist 😉

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Gleitschirmstart im Winter

Gleitschirmstart Winter

Im Winter sieht man sehr viele frustrierte Piloten die völlig entnervt und gestresst im Schnee liegen und einfach nicht in die Luft kommen. Natürlich ist ein Start im tiefen Schnee kräftezehrender als im Sommer. Ganz häufig gibt es aber auch freundliches Bahnpersonal das tolle Winterstartplätze präpariert oder Fluggebiete wo am Pistenrand gestartet werden darf. Das “Problem” im Winter ist oft das es die meiste Zeit Nullwind oder sogar leichten Wind von hinten hat, da die kalte Luft über den Schneeflächen abfließt. Wer hier auf Wind von vorne wartet, steht meist bis zum Frühling. Oft sind Winterstarts aber auch deutlich ungefährlicher wie im Sommer, da der Pilot im schlimmsten Fall meist nur die Piste hinunter rutscht und der Startversuch nicht gleich im Geröllfeld endet. Ob ein Start vertretbar ist oder nicht, muss jeder Pilot natürlich selbst entscheiden. Hier ein paar Tipps für einen gelungenen Winterstart bei leichtem Nullwind von hinten 😉 die so nicht in den Lehrbüchern stehen aber funktionieren, wie auch schon viele gute Piloten und Fluglehrer festgestellt haben 😉 WICHTIG: Diese Tipps gelten wirklich nur für Winterstarts. Im Sommer sind Nullwindstarts je nach Gelände oft deutlich gefährlicher und zu vermeiden.


1.) Wähle Deinen Startplatz gut aus. Ich persönlich bevorzuge im Winter die steilen Startplätze (Anm.: im Sommer natürlich die flachen Startplätze). Der Schirm ist schneller oben und man muss nicht lange durch den tiefen Schnee stapfen. Trampele Dir möglichst vorher eine Startbahn oder schaue das auf Deinem Startweg möglichst gewalzt ist und Du nicht in der Beschleunigungsphase doch noch einsackst.


2.) Sortiere Deine Leinen vor dem Start ganz genau (Bremsspinne!) und gib Deinem Schirm eine möglichst perfekte Bogenform beim Auslegen.


3.) Bevor Du Anläufst, kontrolliere nochmal ob Du in der Schirmmitte stehst und ziehe die Tragegurte (eingehängt) nochmal nach oben damit die Karabiner beim Loslaufen auf gleicher Höhe sind und gleichmäßiger Zug ausgeübt wird.


4.) Nullwind = Vorwärtsstart! Profis können natürlich auch Rückwärts aufziehen und dabei den Oberkörper geschickt verdrehen so das sie fast vorwärts laufen, aber alles wird deutlich stressiger und beim Ausdrehen entlasten die Schirme sogar bei den Profis leicht und neigen dazu doch nochmal abzufallen.


5.) Gehe vor dem Anlaufen nochmal einen kleinen Schritt zur Schirmhinterkante zurück und laufe mit einem Impuls los. Viele Piloten machen die ersten Schritte zu langsam. Gerade bei Nullwind ist es in der Aufzugsphase wichtig das sich der Schirm gleichmäßig füllt, damit er nicht gleich ausbricht. Ich laufe die ersten Meter sehr schnell an, damit sich der Schirm gleichmäßig füllt und nehme dann das Tempo heraus.


6.) Auch bei Nullwind und sogar bei leichtem Rückenzug kann eine Phasentrennung oft eingebaut werden. Gehe nur die ersten Schritte mit Tempo, danach nimmst Du das Tempo wieder heraus und gibst Deinem Schirm die Zeit die er braucht um über Deine Kopf zu kommen. Viele Piloten RENNEN den ganzen Start über und ziehen ihren Schirm im Sackflug hinter sich her. Der Schirm KANN bei so einem hohen Lauftempo nicht über den Piloten kommen!


7.) Im Winter bei Nullwind von hinten darf man ein bisschen mehr “pushen” und “heben” an den A Gurten damit der Schirm besser steigt (aber auch hier kommt immer der Hauptzug aus der Hüfte/Karabiner). Wenn Du zuviel “drückst” geht die Eintrittskante zu und der Schirm füllt sich nicht mehr, aber ohne ein bisschen aktive Unterstützung wird der Schirm lange brauchen um über den Piloten zu kommen oder sogar hängen bleiben. Handflächen weitestgehend offen und nach oben zeigend ist nicht nur beim Nullwind Start Pflicht. Blockiere nicht Deine Gelenke, hilf dem Schirm beim Steigen und HEBE ihn aktiv nach oben (die Geometrie der Gurte darf dabei nicht extrem geändert werden)


TIPP: Beat Bischof hat angeregt das die meisten Schweizer Piloten in der “W-Stellung” bei solchen Bedingungen starten, heißt A-Gurte auf Schulterhöhe, Arme angewinkelt (Geierstart, Schweizer Start). Auch ich habe beobachtet das sich einige Pilotinnen/Piloten mit dieser Technik leichter tun bei Nullwind. Viele Tandempiloten starten ebenfalls mit dieser Technik im Winter und sogar Chrigel Maurer propagiert diese Technik. Ob es ein Pauschalrezept ist weiß ich nicht, aber auf jeden Fall mal ausprobieren und wenn es funktioniert, warum nicht?!?


8.) Führe die A-Gurte deutlich länger als im Sommer. Ich lasse den Schirm im Winter sogar oft leicht überschießen, bremse ihn dann erst an und laufe ihm mit einem schnellen Sprint etwas hinterher. Viele Piloten lösen die A-Gurte zu früh (bei 60-70 Grad) wie im Sommer und gehen zuviel auf die Bremse. Das sorgt dafür das der Schirm die ganze Zeit im Sackflug hängt und nicht gescheit fliegt. Wenn der Pilot jetzt auch noch VOLLGAS gibt, hat der Schirm keine Chance mehr hoch zu kommen und zu tragen. Führe länger, bremse weniger und laufe schneller! Wichtig: Das sind nur pauschale Tipps die oft gelten, aber nicht immer. Wenn Dein Schirm vorne Einklappt, hast Du zu wenig gebremst 😉


9.) Kontrollblick? Eher nicht! Wichtig: Auch diese Aussage gilt nur für Nullwindstarts im Winter, nicht pauschal. Ich bin ein Fan vom Kontrollblick bei den richtigen Bedingungen wenn er Sinn macht. Bei Nullwind allerdings nutzt der Schirm oft die kurze Kontrollphase des Piloten nochmal zum Abhängen oder entlasten und durch das erhöhte Lauftempo des Piloten im Winter und den Schnee birgt er ein sehr hohes Risiko hin zu fallen. Ich lasse den Kontrollblick im Winter oft weg und behalte den “Grundzug” bei, sortiere meine Leinen dafür einmal mehr vor dem Start.


10.) Winterflüge sind der Hammer – und wenn der erste Start mal nicht funktioniert, nimms gelassen und mit einem lächeln. Du kannst mit etwas Pilotenkönnen geniale Waaga Sessions im Schnee haben und super schöne Lines in den Pulverschnee ziehen. Der Winter ist auch ideal für ein Start- und Landetraining und um neue Fluggebiete ohne die üblichen Talwinde und Leefallen auszutesten. Nicht selten haben wir in den Hochlagen das ganze Jahr über Thermik- und Soaringbedingungen und können den ganzen Tag lang fliegen. Also raus auf den Berg und auf keinen Fall den Gleitschirm im Keller einmotten.


Tipp: Probleme mit dem Start? Besuche ein TakeOff Seminar oder eine Flugreise. Hier bekommst Du bei jeder Tour bei uns eine gratis Videoanalyse und wir zeigen Dir Möglichkeiten auf, Deine Starttechnik zu verbessern. Tipp: Bei den Ski&Fly Touren gehen wir intesiv auf die Starttechnik im Winter ein. Nach dem A-Schein leidet die Starttechnik oft extrem, da Dir hier keiner mehr Tipps am Funk gibt. Auch kleine Fehler können in der Summe dann irgendwann zum Unfall führen, also bessere kleine Startfehler lieber gleich aus. Nur weil Du in die Luft gekommen bist, heißt es auch das es ein toller Start war 😉 

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Gedanken zum Gleitschirm Start – von Christian Schiller

Hallo alle zusammen. Oft stehen wir am Startplatz und machen uns Gedanken. Die Hände sind feucht, manchmal ist auch kalter Schweiß auf der Stirn. Unser Hirn fährt Achterbahn. Warum? Wir wollen mit dem Gleitschirm fliegen gehen, unserem Hobby, es genießen über Landschaften zu gleiten, in den Aufwindgebieten höher zu steigen, von einem Berg zum nächsten fliegen, von einer Wolke zur anderen. Was lässt uns jetzt so umherzappeln? Genau, vor dem Fliegen kommt der Start! In nur 60 Starts hat uns unsere Flugschule versucht zu vermitteln was wir tun sollen. Der Fluglehrer hat am Funk zu uns gesagt mach mal dies und mach mal das, und irgendwie sind wir in die Luft gekommen. Jetzt sind wir seit Jahren mit unseren Freunden/Vereinskameraden unterwegs und kommen in die Luft. Mal besser mal schlechter (schaukel, pendel, schleif, stürz). Warum? Ich freue mich aufs Starten! Wenn ich an einen Startplatz komme, egal wo auf der Welt, sauge ich die Umgebung ein, mache mir ein Bild von der herrschenden Situation. Ist sie konform mit dem Wetterbericht? Nach einer Zeit der Beobachtung entschließe ich mich zum Starten, richte meine Ausrüstung her, bereite mich vor und freue mich aufs Fliegen.


Jeder Start erfährt das selbe Prozedere. Der Gleitschirm muss flugfähig gebracht werden durch Aufziehen, das eigentliche Aufbauen des Luftfahrzeuges. Egal ob vorwärts mit Blickrichtung in Startrichtung oder rückwärts, ich lasse mir Zeit, um zu sehen und zu fühlen wo der Gleitschirm ist. Sobald der Gleitschirm den Boden verlässt führe ich in ruhigen angepassten Bewegungen den Gleitschirm in die Höhe, unterlaufe ihn wenn notwendig. Egal ob mit Blickrichtung zur Startachse oder nicht wird der Schirm mit so viel Bremse wie notwendig stabilisiert und aufgezogen.


Erst wenn der Gleitschirm über mir ist, es keiner weiteren Korrektur mehr bedarf, kann ich mich nach dem rückwärts Aufziehen umdrehen in Startrichtung. Der Blick geht jetzt nur noch nach Vorne. Da will ich hin. Bin ich auf Startachse? Was machen Wind und Gleitschirm ? Ruhig mache ich auch nach dem vorwärts Aufziehen Schritte in Startrichtung um zu checken ob ich da bin wohin ich will, zu fühlen ob Gerät und Pilot eine Einheit sind. Ich genieße das Gehen unterm Gleitschirm, vermittelt es mir doch das Gefühl Herr der Lage zu sein. Erst dann blicke ich, Gleitschirm stabil über mir, Weg gerade nach vorne, beim Vorwärtsstart zum Gleitschirm für die optische Kontrolle. Ich habe Zeit. Nur wer Zeit hat und langsam ist wird auch etwas sehen. Kontrolliert.


Ich treffe ganz bewusst die Entscheidung jetzt abheben zu wollen. Mit größer werdenden Schritten pilotiere ich mein Lufsportgerät, Hände wandern langsam von unten nach oben auf ca. Brusthöhe gerade in die Luft. Alle meine Bewegungen sind stimmig, immer der jeweiligen Luftsituation angepasst. Laufbereit gleite ich vom Gelände weg, bis ich mit ausreichend Höhe gemütlich ruhig in den Sitz rutsche. Abgehoben.

Ich genieße Starten, weil ich alle Phasen des Starts ganz bewusst durchlebe. Ganz bewusst gleiche ich alle Unruhe aus bevor ich mich umdrehe. Ganz bewusst unterlaufe ich und bremse. Ganz bewusst spaziere ich unterm Gleitschirm und schaue weit, nehme wahr was um mich geschieht. Ganz bewusst fühle ich mein Fluggerät. Bis ich mich zum Abheben, dem eigentlichen Start, entscheide. Und wenn das lange dauert , um so besser, freue ich mich länger aufs Fliegen. Das ist kein Geschwätz von einem Fengshui abhängigen. Seit 27 Jahren gehe ich fliegen und habe viel gesehen und mit erlebt. Versucht es mal, und ihr werdet sehen, wie geil es ist unterm Gleitschirm spazieren zu gehen. Die totale Kontrolle. Nur wer sein Luftfahrzeug kontrollieren kann sollte fliegen gehen. Und stellt euch mal die Frage warum ihr das nicht wollt. Wer so kontrolliert startet wird nie einen Unfall haben. Das sollte doch Ziel genug sein.
Christian Schiller
DHV Sicherheitstrainer

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Zellenpacksack, Standardrucksack oder Schnellpacksack?

Viele unserer Schüler und auch Freiflieger fragen uns, welchen Packsack sie nehmen sollen. Dies hängt sehr stark vom Verwendungszweck ab. Zellenpacksäcke (z.B. Advance Flatbag) helfen und vereinfachen das “Zelle auf Zelle” packen enorm und so bleibt die empfindlichere Eintrittskante schön beisammen und die Stäbchen der modernen Schirme verbiegen sich nicht so leicht. Im Zellenpacksack den Schirm mit Gurtzeug in den Standard oder leichten Gleitschirm Rucksack – So bist Du perfekt gepackt für Hike&Fly oder die Auffahrt mit der Seilbahn.

 

Wenn es schnell gehen soll, kommt man an einem Schnellpacksack nicht vorbei. Hier hat man zwar ein sehr voluminösen Rucksack aber es geht einfach verdammt schnell mit dem Packen. Gerade in der A-Schein Ausbildung empfiehlt sich die Verwendung von Schnellpacksäcken oder wenn man nur kurze Wege zum Startplatz hat. Manche Fluglehrer schleppen ihren Schnellpacksack sogar auf Walk&Fly Touren mit. Bei den Schnellpacksäcken gibt es große Unterschiede. Zum Teil haben diese einfach nur zwei Schlaufen zum Tragen, zum Teil ein vollwertiges Rucksack System. Wer es komfortabel mag, dem empfehlen wir z.B. den Advance Fastpack oder den Icaro Schnellpacksack.

 

Fazit:
Es soll schnell gehen, Packvolumen und Tragekomfort spielt keine Rolle: Schnellpacksack. Es soll möglichst platzsparend und sauber gepackt sein, Tragekomfort wichtig: Zellenpacksack mit Standardrucksack. Viel Spaß beim Packen.

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1-2-3-Wetterbriefing

Hallo Pilotinnen und Piloten

Hier eine kurze Hilfestellung. Auf unserer Wetterseite sind viele interessante Links und Wetterseiten für Gleitschirmpiloten zusammengefasst. Für einen groben Überblick muss man aber nicht alle Seiten anschauen 😉 So gehe ich vor um mir einen groben Überblick über das Flugwetter auf der Alpennordseite zu verschaffen:

 

1.) Allgemeiner Wetterbericht des DHV von Volker Schwaniz.

 

2.) Höre ich etwas von Föhn schaue ich gleich auf den Föhnchart. Die aktuellen Druckunterschiede gibt auch sehr gut die ALPFOR der Austrocontrol wieder (Registrierung notwendig: Föhnpotential und ALPFOR)

 

3.) Die manchmal etwas pessimistischen Prognosen der Austrocontrol in Textform sind auch sehr hilfreich.

 

4.) Ab März empfiehlt sich auch immer ein Blick in den Segelflugwetterbericht des DWD

 

5.) Einen Überblick über die Lage der Hochs und Tiefs sowie Isobarenabstände bekommt man auf der Bodenwetterkarte

 

6.) Ein kurzer Blick auf das Metagramm von Meteomedia z.B. vom Nebelhorn empfiehlt sich auch. Die Windprognosen sind oft etwas zu hoch aber die Richtungen passen oft sehr gut.

 

7.) Bei Annäherung von Fronten und Gewittern geht der Blick immer auf das aktuelle Regenradar von metradar.ch Ein Radarbild mit Prognosen für die nächsten Tage findest Du hier auf niederschlagsradar.de Achtung: Für Gewitter sind Radarbilder nicht immer hilfreich. Piloten wiegen sich da schnell in falscher Sicherheit: “Die Gewitter sind noch weit weg…” Oft sieht man Gewitter erst auf den Radarbildern wenn es schon zu spät ist. Höhere Wolken wie Cumulus congestus sieht man selten auf Radarbildern. Hilfreich sind sie aber z.b. wenn die Gewitter sich organisiert in squall lines bzw. vor Fronten annähern.

 

8.) Neu, sehr hilfreich und erstaunlich präzise in letzter Zeit ist windy. Hier kannst Du Windrichtungen, Windstärken und weitere Layer für unterschiedliche Höhen ausgeben.

 

9.) Der letzte Schritt geht immer zu den aktuellen Windwerten (ideal: Burnair Livewetter) des jeweiligen Flugberges bzw. zum Lawinenwarndienst Bayern sowie den Webcams

Wenn es um große Streckenflüge geht, muss man natürlich noch etwas genauer schauen und weitere Wetterseiten u.a. Höhenwetterkarten anschauen. Auch bei schwierigen und unsicheren Wetterlagen checke ich weitere Wetterseiten. Für einen groben Überblick und Hausbergflüge reichen die 9 Klicks oben aber meist aus. Die Startentscheidung fällt am Startplatz. Passend zum Thema auch ein kleiner Artikel “Gedanken eines Hobbymeteorologen” den ich vor vielen Jahren mal geschrieben habe an alle Wetterexperten unter Euch. Auch ein kleiner Artikel im DHV zum Thema “Tendenziell fliegbar” ist lesenswert.
Chris Geist Paragliding Academy GmbH
Chris Geist
Geschäftsführer

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Der Föhn – Tipps und Tricks aus der Praxis für Gleitschirmpiloten

Aus aktuellem Anlass (Bezau, Breitenberg usw. am Wochenende) hier nochmal ein paar Eckpunkte zum Föhn die jeder Gleitschirmflieger berücksichtigen sollte. Sie beruhen auf knapp 20 Jahren Alpenerfahrung im Gleitschirmsport, 4 Semester Meteorologie Unterricht während des Studiums und intensiver Beschäftigung mit diesem Wetterphänomen.
Wie vielschichtig und Komplex das Thema Föhn ist, sieht man allein an den Lehrbüchern und unterschiedlichen Theorien zum Föhn und ständig wiederkehrenden Artikeln in den Fachmagazinen. Früher und auch im Moment in noch fast allen Lehrbüchern zu finden und wahrscheinlich von 90% aller Fluglehrer noch so erklärt: Die “thermodynamische Föhntheorie”. Sie beruht auf den Temperaturunterschieden von Luftmassen durch Auf- und Abstieg auf der Alpennord- und Alpensüdseite und macht auf den ersten Blick hin “Sinn” bzw. ist logisch zu erklären für Einsteiger (ähnlich wie Luftteilchen am Gleitschirmprofil die angeblich gleichzeitig an der Hinter-/Abströmkante ankommen müssen und damit das so ist, müssen sie oben schneller fließen. Ist auf den ersten Blick logisch, aber leider falsch 😉 ). Bei den meisten professionellen Meteorologen ist diese thermodynamische Theorie “veraltet” bzw. nicht richtig. Profis vertrauen hier eher der dynamischen (ähnlich: hydraulischen) Föhntheorie die quasi dem Überschwappen von Wasser in einer Badenwanne entspricht. Du kannst beide Theorien hier grob nachlesen.


Aus der Praxis muss ich Euch sagen: Ich habe noch kein Luftteilchen persönlich getroffen und es fragen können, deswegen traue ich keiner Theorie zu 100%. Eines ist aber sicher: “Scheißegal welche Theorie ihr bevorzugt, wenns Föhn hat müsst ihr beim Fliegen einfach vorsichtig sein oder am Besten gar nicht erst fliegen gehen”

 

Da kommst Du als Profi zum Startplatz und willst vorsichtig schauen ob es an einem Tag wo eh schon Föhn vorhergesagt ist, doch noch ein Flüglein drin ist. Da stehen dort schon 20 Hobbypiloten von denen 18 nicht mal wissen das es heute überhaupt Föhn hat. Der Rest schaut halt erstmal wie die ersten Starten und ob die Luft o.k. ist und haut sich dann hinterher. LEUTE, UFFPASSEEE!!! Mit Föhn ist nicht zu spaßen. Wer einmal einen Föhndurchbruch erlebt hat wird vorsichtiger, garantiert. Innerhalb von Minuten können heftige Windgeschwindigkeiten, Böen und Turbulenzen einsetzen. Wenn Du als Normalpilot da noch in der Luft bist, sinken Deine Chancen heil herunter zu kommen. Klar es kann auch den ganzen Tag “halten” aber eine Garantie kann Dir niemand geben.

 

Viele Piloten denken das der Föhn etwas mit hoher Windgeschwindigkeit zu tun hat. NEIN, hat er nicht. Ich bin mal als unwissender A-Schein Pilot am Nebelhorn bei Föhn gestartet und am Startplatz waren gerade mal 10 km/h Südwind. Nach dem Start hatte ich einen massiven Klapper, extreme Turbulenzen, heftiges Sinken und musste auf einer Waldschneiße notlanden. Bei Föhn bist Du einfach in einem großflächigen LEE und zwar auf der gesamten Alpennordseite bei Südföhn bzw. Südwind, PUNKT! Zumindest das sollte einem klar sein. Da gibt es kein “Föhnschutzgebiet” und auch kein “Der Föhn ist noch da hinten und braucht noch bis er da ist”. Der Föhn ist da, die Frage ist jetzt nur, gehst Du das Risiko ein und fliegst wie ein paar andere Piloten auch, oder lässt Du es einfach sein. Ich verurteile keinen der das Risiko für sich bewußt eingeht. Ich verurteile nur die Piloten die sich ohne das Wissen um diese Gefahr in die Luft katapultieren. Bewußt zu sagen: “Heute hats Föhn, im Moment fliegts, ich gehe das Risiko ein und starte”, sowas kann ich noch verstehen, aber ohne dieses Backgroundwissen in der Luft zu sein und sich nachher wundern warum man wieder im Krankenhaus aufwacht (oder auch nicht) ist meiner Meinung nach grob fahrlässig. Auch hört man oft: “Ich sehe überhaupt keine Lentis”. Ja stimmt, die muss man auch nicht sehen. Die sieht man nur wenn eine gewisse Restfeuchte noch vorhanden ist, Cirrus oder Cirrostratus oder die bereits herannahende Front nicht den Himmel bedeckt und die Wellen eine Wolkenbildung überhaupt zulassen. Der Föhn ist oftmals schwer zu erkennen und weicht in den meisten Fällen vom klassischen Föhn bzw. Wolkenbild ab.

 

Wie erkenne ich nun den Föhn in der Praxis:

 

1.) Du schaust Dir den Föhnchart an (ab 4 hPa Druckunterschied zwischen Alpennord- und Alpensüdseite spricht man bereits von Föhn). Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte bereits bei 4-6 hPa nicht mehr zum Fliegen gehen.
Achtung: Manchmal sieht man nur allein anhand des Föhnchart nicht genau den Föhn wie z.B. dieses Wochenende wo Anfangs ein geringerer Druckunterschied prognostiziert wurde. Bei seichtem Föhn findet der Druckausgleich nur in den tieferen Schichten statt. Kritisch checken


2.) Wer die genauen Luftdruckwerte braucht, schaut nochmal ins Alptherm/ Föhnpotential


3.) Check der DHV Wetterseite


4.) Check der wichtigen Föhnanzeigerberge (Patscherkofel, Zugspitze, Säntis)


5.) Check der Windwerte vom Lawinenwarndienst (Achtung: Nicht allein die Windgeschwindigkeit ist hier aussagekräftig sondern die Richtung. Stehen die meisten Berge auf Süd bzw. SO Wind, sollten schon mal die Alarmglocken läuten)


6.) Blick aus dem Fenster: Sehe ich Lentis? Kommen mir die Berge näher vor als sonst? Herrscht gute Fernsicht?


7.) Check am Start-/ Landeplatz: Fliegen Vögel? Hat es Südwind? Ist der Wind böig oder laminar? Sehe ich Schneefahnen (Winter)? Fliegen bereits andere Piloten und v.a. wie fliegen sie (ist es turbulent, haben sie zu kämpfen usw.). Herrscht normaler Talwind am Landeplatz? (ein häufiges Zeichen von Föhn ist Windstille am Landeplatz bzw. ein aussetzender Talwind). Befinde ich mich vielleicht nur noch im Kaltluftsee des Tales und oben pfeift schon der Föhn? Ist es am Startplatz wärmer als im Tal?

 

Aus der Praxis muss ich Euch sagen das häufig noch viel geflogen wird bei Föhn (oft wird sogar geschult). Ich nehme den Südföhn auf der Alpennordseite komischerweise noch ernster als den Nordföhn obwohl ich auf beiden Seiten der Alpen bereits Föhndurchbrüche erlebt habe. Dies ist aber rein subjektiv. Föhn ist immer gefährlich. Bei Südföhn bin ich einfach nur extrem vorsichtig und fahre oder laufe häufig vom Berg wieder runter obwohl viele andere Piloten noch fliegen. Natürlich ist bei Nordföhn genau so viel Vorsicht geboten. Dieser ist zum Teil sogar noch kritischer, aufgrund der häufig kalten Luftmassen die in die tieferen Luftschichten durchbrechen können. Sogar beim DHV schreibt Bassano Liebhaber und Meteorologe Volker Schwaniz (den ich übrigens sehr schätze und seine prägnanten, kurzen Statements zum Wetter liebe): “Starker Nordföhn, gute Thermik in Bassano”. Ich finde solche Aussagen sehr kritisch, gerade für Anfänger in unserem Sport. Klar in Bassano gehts sicher mit am längsten bei Nordföhn aber man neigt schnell dazu den Föhn nicht mehr ernst zu nehmen. Ich kenne Bassano sehr gut. Unter Profis sind dort die Nordföhntage sehr beliebt, weil man schnell in oft aggressiver Thermik hoch hinauf steigen kann und große Streckenflüge macht, anstatt in der Meeresbrise auf Startplatzniveau herum zu dümpeln. Diese Thermik ist aber wie gesagt häufig sehr turbulent und unerfahrene Piloten riskieren schnell großflächige Klapper und Abstürze. Auch in Bassano habe ich übrigens bereits zweimal einen Föhndurchbruch erlebt. Das fatale am Nordföhn ist, das es sich häufig um kalte Luftmassen handelt, die ähnlich Gewitterböen am Boden entlang fließen und die Piloten oft erst beim Landen in den tieferen Luftschichten die Turbulenzen zu spüren bekommen. Fly safe!

Ich bin kein Meteorologe aber ich habe ein sehr gutes Gespür für fliegbare und nichtfliegbare Bedingungen. Dies sind lediglich meine persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen in den letzten 20 Jahren als Gleitschirmpilot und Fluglehrer.
Chris Geist Paragliding Academy GmbH
Chris Geist
Geschäftsführer

Der Föhn – Tipps und Tricks aus der Praxis für Gleitschirmpiloten Weiterlesen »

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